Donnerstag, 19. April 2012

FERIEN!!!

Der erste Term ist fast vorüber, die Ferien mit neuen Erlebnissen stehen kurz bevor, doch ich weiß jetzt schon, dass ich mich nach vier Wochen auf die Rückkehr nach Waterford freuen werde.  Es ist mittlerweile zu meinem zweiten zu Hause geworden und ich spüre momentan noch keinen großen Drang nach Deutschland zurück zu kommen. Vielleicht für einige Tage um meine Familie und Freunde zu sehen und in einem unserer wunderbaren Seen schwimmen, das wäre schon nett, aber die Reise die mir nun bevorsteht und die Gewissheit, dass ich im August nach Hause zurückfliegen kann, lassen mein Heimweh weitestgehend verschwinden. Morgen um 6:00 Uhr früh  nehmen drei weitere Waterfordschüler mit mir zusammen einen 18-Stundenbus nach Kapstadt, wo wir dann 16 Tage Sehenswürdigkeiten, Strand und Nachtleben genießen werden bevor es nach Namibia geht. Mein Freund Rohaan wohnt in Windhok und lud mich und Jakob für zwei Wochen zu sich nach Hause ein. Das sind also die Pläne die momentan in meinem Kopf herumschwirren und auf die ich mich unglaublich freue. 
Vielleicht sollte ich mal darüber schreiben was genau dieses College so besonders liebenswert macht. Zum einen ist die zwischenmenschliche Atmosphäre hier außergewöhnlich bereichernd. Man wird überall freudig begrüßt, bei Diskussionen hört dir jeder aufmerksam zu, bei Sorgen melden sich um die 20 Freunde, die dir ein Gespräch anbieten, es wird zusammen gekocht, geteilt, getanzt, gesungen, Filme geschaut, Musik gehört, vorgelesen, massiert, Neuigkeiten aus aller Welt augetauscht und Brettspiele gespielt. Letzteres wird von meinen afrikanischen Freunden so emotional betrieben, als ginge es ums Überleben, was bei den Europäarn regelmäßig Schmunzeln hervorruft.
Ich bin gerade zu müde um mit meinen Erzählungen fortzufahren und in wenigen Stunden wird der Bus nach Johannesburg abfahren. Bilder und Berichte von meiner Reise werden folgen. 
Hoffe ihr hattet alle underbare Osterfeiertage/ferien,
Julian

Sonntag, 4. März 2012

Mozambique-Vibrations

Óla, amigos!
Mein letzter Blogeintrag ist schon länger als ein Weilchen her und es gibt einiges zu erzählen. Waterford wird langsam aber sicher zu meinem zweiten zu Hause, einem zu Hause das so vielfältig ist, das jeden Tag neue Erfahrungen bietet, wenn man sie sucht, einem zu Hause das auch aus einem eigenen privaten Raum besteht, den ich persönlich wirklich sehr genieße und für meine Schulvorbereitungen auch brauche. 
Zwei berichtenswerte Ereignisse sind die Swimming-Gala und natürlich das wunderbare Wochenende in Mosambik.
Am Mittwoch vor Midtermbreak versammelte sich die gesamte Schule samt Lehrerschaft um den Pool. Alle Schüler sind für Wettkämpfe (wie z.B auch Athletik-Wettkämpfe nächsten Dienstag) willkürlich in drei verschiedene Häuser eingeteilt: Stern, Henderson und Guedse. In jedem Haus sind Schüler aus allen Forms und den IB-Jahrgangsstufen. Ich bin in Stern. An diesem Mittwoch sollten also die Häuser gegeneinader schwimmen und ich in 6 Disziplinen für die unter 20-Jährigen. In den ersten beiden races, Schmetterling und Freestyle verlor ich knapp, in Rückenschwimmen deutlich. Meine Stimmung hatte einen Tiefpunkt erreicht. Dann kam meine Disziplin: Brustschwimmen. Mit einem schönen Vorsprung gewann ich dieses Rennen und der Tag war gerettet. Es herrschte eine brilliante Stimmung. Jeder feuerte sein Team an und es machte richtig Spaß zuzuschauen. Letztendlich verlor mein Haus die Swimming-Gala mit Abstand. Macht nichts, es folgen weitere Wettkämpfe. Tuure, mein finnischer Freund hat einige beeindruckende Bilder gemacht, die unter der Rubrik “Fotos Gala” einen kleinen Eindruck von dem Ereignis geben.
Nachdem ich mein Zimmer für einen Schüler aus Elangeni geräumt hatte, der über Midtermbreak in Waterford bleiben wollte (nur Emhlabeni blieb offen) ging es mit dem Bus nach Maputo. Die fahrt dauerte etwa fünf Stunden und wurde durch eine Stunde Wartezeit an der Grenze noch verlängert. Mit Großraumtaxis kamen wir in unsere Jugendherberge “Fatimas” an, ein wunderbarer Platz. Hängematten und Liegestühle auf dem Flachdach, Bar, 10-Bettzimmer, Duschen, Guards vor dem Eingang und zwei Deutsche, die nach ihrem Studium durch Südafrika reisen. Wir hatten alle einen Riesenhunger, konnten aber auch nach 2-stündiger Suche kein Lokal finden, das alle 22 Gemüter zufrieden gestellt hätte. Das ist eines der Probleme in Großgruppen. Auf uns Touristen wartende Polizisten hielten uns zwei mal an, um die Pässe zu kontrollieren, Strafgebühr für das Mitführen einer leeren Bierflasche einzufordern (Trinken in der Öffentlichkeit ist in Mosambik verboten) und uns von einer, für Fußgänger verbotenen Straße, zu verjagen. Wie gut das wir einen Portugies-Speaker aus Venezuela dabeihatten. Eine Pizzeria rettete dann unseren Abend. 
Am Samstag machte ich mich mit Laerke, Andrea, Lisa, Alma und Tuure auf den Weg, um die Stadt zu erkunden. Auf dem Arts- and Crafts-market boten ca. 30 Händler aggresiv anpreisend eine nahezu gleiche Ware an und hatten bei uns teilweise auch Erfolg. Nächstes Ziel war der berühmte Fischmarkt von Maputo. Den besten Eindruck hiervon geben, denke ich, die Photos auf meinem Blog. 
Nachdem sich Tuure einer anderen Gruppe angeschlossen hatte, entschieden wir uns einen Eindruck vom Maputo-Strand zu gewinnen. Erster Eindruck: viel Müll, dunkelbraunes Wasser, wir sind die einzigen Nicht-Einheimischen weit und breit, unzählige planschende Kinder zwischen den Wellen. Letzteres weckte die Badelust in Alma, Andrea und mir und unter staunenden Blicken der einheimischen Bevölkerung genossen wir das 30°C-warme Wasser. Die Kinder blieben erst einmal in sicherer Entfernung angesichts dieses weißen Riesens, der ihren täglichen Badeplatz heimsuchte. Nachdem ein wagemutiger Junge mir seine Schwimmkünste zu präsentieren versuchte, wir ein kurzes Gespräch begannen und ich ihn kreiselartig durchs Wasser zog, war das Eis gebrochen und zwanzig Kinder wollten gleichzeitig von meinem Rücken springen und in die Luft geworfen oder durchs Wasser gezogen werden. Die Mädchen sahen es als ihre Aufgabe an das ganze zu dokumentieren und so entstanden haufenweise Photos und einige Videos. 
Man kann eine ganze Woche in Maputo verbringen ohne die eigentliche Bevölkerung zu erleben, wenn man fast alle Plätze meidet und jeden Weg mit dem Taxi fährt. Das war definitv nicht unser Ziel. Also nahmen wir einen public bus zusammengequetscht mit 20 Menschen zurück Richtung Hostel. 
Ich verbrachte dann die gesamte Nacht bis 5 Uhr mit etwa 10 anderen Waterfordians in Coconuts, eine von Maputos Discos. Zwei Männer versuchten mir nacheinander meinen Geldbeutel zu stehlen, wozu sie aber einen Knopf öffnen mussten, was mir natürlich auffiel. Ansonsten war der Abend ein super Erlebnis ohne weitere Zwischenfälle. 
Sonntag war der Tag mit den meisten Eindrücken. How come...? 
Laerkes Familie beherbergt reisende Jugendliche in Dänemark. Unter diesen Jugendlichen befand sich vor einigen Jahren auch Laura aus Maputo. Sie erklärte sich bereit uns mit Auto den ganzen Tag durch die Stadt zu führen und uns ihre Heimat zu zeigen. Wir sahen ein gespenstisch leeres Einkaufszentrum, das internationale Markenware für die Reichen Maputos verkauft. Hier kommst du nur weiß oder mit der richtigen Bekleidung rein. Laura zeigte uns zusammen mit ihrem Freund eine aktuelle Ausstellung über Albinos mit vielen Photos, die das Leben der, oft durch Vorurteile ausgegrenzten oder sogar gejagten Minderheit zeigten. Viele Eindrücke, Texte und Bilder, die ich dort sah werden noch lange in meiner Erinnerung bleiben. Nach der Besichtigung des 100 Jahre alten Bahnhofs und des Gemüsemarktes, auf dem wir eine Menge Salat, Avocados und mehr für unser Abendessen einkauften, fuhr uns Laura zu ihrem Haus außerhalb der Stadt in einem Township. Ihre Schwester empfing uns freudig und servierte uns gekühlte Getränke. Die beiden Schwestern leben zusammen in diesem Haus mit ca. 5 Zimmern, Blechdach und Bananen- und Mangobäumen im Vorgarten. Die Nachbarsfamilie produziert Blechtöpfe mit einem Gerät, das einen Metallteller dreht. Wenn man nun mit einer Art Stemmeisen den Metallteller gegen eine Form drückt formt sich, wie beim Töpfern eine Schale, die langsam zum Topf wird. Als die Hausmutter sah, wie fasziniert wir ihrem Mann zusahen, schenkte sie uns einen kleinen Topf als Erinnerung. Es ist beeindruckend als Tourist, Geschenke von fremden Menschen zu bekommen, die gerade so genug Geld zum Leben haben. Zum Abschied sangen die Nachbarsfrauen und tanzten mit uns auf afrikanische Weise. Ganz erfüllt von diesem unverhofften Erlebnis setzten wir uns wieder ins Auto, um Lauras Bruder zu besuchen. Er ist Architekt und hat sich sein eigenes Haus mit Elektrosicherheitszaun und vergitterten Fenstern gebaut, das er uns stolz präsentierte. Während die Verständigungsprobleme in dem Township mit Gesten und Tanzen wunderbar überbrückt wurden, schauten wir hier stattdessen Fußball mit unseren Gastgebern. Die Situation war etwas kalt und gezwungen, obwohl sich die Familie sehr interessiert zeigte. Es war sehr aufschlussreich diese beiden Welten direkt nacheinander zu erleben. 
Durch die Bemühungen von Laura und ihrem Freund hatten wir einen wunderbaren Tag, für den uns einige der anderen Waterfordians, die beim Hostel blieben beneideten. 
Ein weiterer “UWC-Moment” war das gemeinsame Zubereiten des Abendessens. Wir machten eine wunderbare Guacamole und Sala, während wir über das Erlebte sprachen.
Schon nach drei Tagen ist Maputo nun eine meiner Lieblingsstädte, wahrscheinlich aber vor allem, weil es die erste Stadt ist, die sie sich einfach vollkommen von jeder bekannten, europäischen Stadt unterschied. Ich komme wieder!
Der Alltag hier auf dem College hat nun wieder begonnen, meine Freundschaft zu Laerke, Andrea, Lisa, Alma und Tuure ist durch unseren gemeinsamen Trip aber enorm gewachsen.
Kommentare und Fragen sind natürlich wie immer gerne willkommen!!!
Enjoy Life,
Julian

Freitag, 17. Februar 2012

UWC-Day

Meine Ankunft ist nun gut einen Monat her und ich genieße die sommerlichen Tage hier immer noch sehr. Ein bisschen Heimweh macht sich leise bemerkbar, aber es gibt genug Ablenkung. Nächsten Montag beginnt unsere erste Cooking-Club-Session. Wahrscheinlich werde ich einige afrikanische Gerichte mit nach Hause bringen.
Im Moment wirke ich in drei Communityservices mit. Wenn mir alles zu viel wird, kann ich die Anzahl reduzieren.

1. SOS-Support: etwa 35 Kinder aus einem SOS-Kinderdorf in Mbabane kommen jeden Donnerstag Abend auf unseren Campus. Wir spielen, essen und lernen zusammen für etwa 2 Stunden. Leider haben wir keinen Siswatispeaker in unserer Gruppe und da selbst unser Tutor (mein Chemielehrer) überhaupt keine Erfahrung mit Kindern hat lief die erste Einheit ziemlich chaotisch ab. Für die nächsten Donnerstage haben wir die Kids in 4 kleinere Gruppen eigeteilt, was die Sache erleichtern sollte. Mit einer anderen Schülerin habe ich dann die Verantwortung für etwa 10 Kinder, die auf mich alle einen aufgeschlossenen Eindruck machen.

2. Film-Making: Für die Collegewebside werden wir einige werbewirksame Filme über Waterford drehen
und bearbeiten. Leider ist das Equipment, das uns zur Verfügung steht nicht gerade herausragend. Kreativität ist gefragt und in meiner Gruppe auch reichlich vorhanden.

3. Life-Guard: Das ist wirklich keine große Sache. Jedes Wochenende werde ich zwei Stunden am Pool hier in Waterford verbringen und auf all die jungen Formstudents aufpassen, die teilweise ihre Schwimmkenntnisse überschätzen.

Vor einer Woche hatten wir UWC-Day. Ein kunterbunter Tag der Nationen. Bilder sind schon seit vorgestern hier auf meinem Blog. (auf den letzten 4 Photos ist übrigens 3 mal meine Freundin zu sehen.)
Es gab eine Nationengala, an der Leonie und ich in Lederhose teilnahmen, einige "UWC-Reden" und Tänze aus verschiedenen afrikanischen Ländern. Die Kartoffelpuffer die wir dann an unseren deutschen Stall verkauften sahen leider nicht sehr appetitlich aus (die Kartoffelmasse hatte ihre Farbe über die Nacht von gelb zu grau geändert) schmeckten aber nicht schlecht. Es gab die Möglichkeit zu probieren, was ein Verlustgeschäft gerade so verhinderte. Insgesamt war ich leider viel zu beschäftigt mir Verkaufen und Organisieren um mich aktiv mit anderen Kulturen auszutauschen und alle Gerichte zu probieren. Vielleicht klappt es nächstes Jahr besser. Meine Lederhose kam aber sehr gut an und ich müsste auf etlichen Photos zu finden sein.

In der Schule geht es stimmungsmäßig auf und ab. Mathe, Wirtschaft, Chemie und Spanish fallen mir bis jetzt relativ leicht. In Englisch, Biologie und TOK machen sich meine Englishlücken bemerkbar. Ich denke, aber das das IB wirklich gut machbar ist, wenn man seine Zeit gut einteilt und die Deadlines einhält.

Ihr hört mehr von mir!

Werde jetzt mich mit Tuure im Pool erfrischen bevor meine Biostunde beginnt.

Juli

Samstag, 4. Februar 2012

31 °C

Hey an meine family, an meine Freunde, UWC-Interessierte und vielleicht ja auch an meine zukünftigen Firstyears (schreib  mir bitte sofort wenn du mein Firstyear sein wirst: julianstorch@aol.de, SOFORT!!!),


in den letzten zwei Wochen ist viel passiert. Die Schule hat angefangen, Communityservices mussten gewählt werden, ich probierte neue Sportarten, wie z.B Rugby aus, wir hatten unseren ersten kurzen Stromausfall und ich habe nun eine feste Freundin, was dem Blogschreiben nicht gerade förderlich ist, wie ihr euch wahrscheinlich denken könnt.


Von einem Erlebnis werde ich etwas genauer berichten:


Letzten Sonntag fand ein alljährliches Ereignis statt, an dem dieses Jahr etwa 70 sportliche Menschen zwischen 11 und 99 Jahren teilnahmen und ich war einer davon. Es ging darum in einem großen Stausee nahe Mbabane eine Meile (1,6km), die Swasimile, zu schwimmen. Die letzten Jahre, so erfuhr ich kurz vorher, wurde das Ereignis durch keine Krokodile und ähnliche Kuscheltiere gestört, aber man weiß ja nie, wo gelangweilte Tierhändler ihre Ware aussetzten, so unser Lehrer der uns zu diesem Ereignis fuhr, selbst aber nicht mitschwamm. Die zu schwimmende Rute war durch Bojen markiert und Motorboote sollten die Schwimmer im Notfall aus dem Wasser holen.  Mein einziges Ziel war, die Mile zu beenden ohne Krämpfe zu bekommen und so schloss ich mich nicht der ersten Gruppe an die in vollem Tempo davonkraulte. Nach 30 Minuten erreichte ich das Ziel. Eine Zeit, mit der ich zufrieden sein kann. Sieger war ein 11-jähriger, der die 1,6 km in knapp 22 Minuten geschwommen war.


Nun zu etwas unerfreulicheren Dingen. Die Schule hat seit letzter Woche so richtig begonnen und die Lehrer versuchten uns mit Hausaufgaben auf die Härte der kommenden zwei Jahre einzustellen. Die Fächer, die ich gewählt habe sind:


Biologie Higher Level
Chemie Higher Level
Wirtschaft Higher Level
Mathe Standart Level
Englisch Language and Literature Standart Level
Spanisch ab initio


Mit meinen Lehrern bin ich sehr zufrieden und die Anforderungen sind noch gut machbar.
Das Kantinenessen ist nicht wirklich gesund, aber meistens lecker und ich werde meistens satt. Zur Not stehen in jedem Korridor Sandwichmaker und ich teile mir mit Rohaan aus Namibia einen Kühlschrank. Er ist momentan auch mein closest friend.
Ich fühle mich immer wohler hier und ich bin mir sicher, dass Waterford eine zweite Heimat für mich wird.
Es ist heiß und mein Laptopakku ist fast leer. Auf zum Pool!


Nächste Woche Samstag ist UWC-Day, den ich für euch fotografisch verfolgen werde.
Ihr hört bald mehr,


Julian

Mittwoch, 25. Januar 2012

Kamhlaba - All of one world

Noch herrscht Ruhe hier im Community-Room meines Hostels. Jeden Tag außer Freitag, Samstag und Sonntag haben wir von 18-20 Uhr Preptime, zwei Stunden des stillen Arbeitens oder die Möglichkeit Schlaf nachzuholen. Gut eine Woche ist der Flug her, die Ankunft in Johannesburg und die ersten Gespräche mit meinen Mitbewohnern. Am Ende unserer zwei Jahre, so unser Schuldirektor Mr. Nodder in seiner Rede sind wir nicht mehr aus Belgien, Burundi und Bangladesh mit all unseren verschiedenen Weltansichten und Vorurteilen, sondern „Kamhlaba“ - All of one world. 
Ich fühle mich insgesamt ziemlich wohl hier, obwohl ich mich natürlich noch nicht ganz eingelebt habe und sich noch keine engen Freundschaften bilden konnten. Ich vermisse meine Familie und mein zu Hause schon ein bisschen und denke in manchen Momenten daran, was sie jetzt wohl gerade so machen.
Man trifft hier auf extrem unterschiedliche Charaktere. Die einen gehen auf jeden zu, der ihnen noch unbekannt ist und fragen ihn aus über das Land, die Fächerwahl usw. Einige kennen sich schon aus Form 1-5 (jüngere Klassen auf dem College) und sind durch die ständigen Einführungen gelangweilt, weil sie ja eh schon alles kennen. Ich gehöre zu der Gruppe, deren Englisch noch eine kleine Hürde darstellt, die sich nur manchmal in Gespräche einklinkt und lieber zuhört. Für die Mehrheit hier auf dem College (alle Swasis, Südafrikaner, Schüler aus Namibia, USA, England) war Englisch schon von Anfang an eine Alltagssprache, die ihnen jetzt überhaupt keine Probleme mehr bereitet. Aber ich merke schon wie mein Englisch besser wird und in einem Monat wird kein großer Unterschied mehr zu spüren sein. 
Die letzte Woche war ein sehr intensives Erlebnis mit kaum Verschnaufpausen.
Als ich am Montag am Flughafen Johannesburg ankam und mein Pass nach längerer Wartezeit endlich abgestempelt wurde, suchte ich in der großen Eingangshalle meine Mitschüler, die sich in kleinen Gruppen zusammengefunden hatten. Nach etwa einer Stunde ging es dann über schlechte Straßen mit zwei Bussen los zum College. Da ich mich ganz nach hinten gesetzt hatte, wo ich die größte Beinfreiheit hatte sprach ich die nächsten sechs Stunden mit zwei Afrikanern aus Simbabwe. Einer war ein National Commetee-Schüler. Der andere hatte beide Eltern verloren und wurde von Capernaum Trust geschickt, einer Organisation, die jedes Jahr Bildungsstipendien für Voll- und Halbwaisen vergibt. Der Druck, der auf die meisten afrikanischen Schüler von ihrer Heimat ausgeübt wird, ist enorm. In vielen afrikanischen Ländern schickt das UWC Komitee nur 4-8 Schüler auf alle UWCs weltweit, obwohl sich jedes Jahr hunderte bewerben. Hat man das Glück einen Platz zu bekommen, erwartet das ganze Dorf einen brillianten Schulabschluss und eine Karriere, die in irgend einer Weise später dem Land dient. Wie schön ist es doch, Eltern zu haben, die keine Bestnoten erwarten und mich zu nichts drängen. 
Sobald wir die Swasigrenze passiert hatten, fing es an zu regnen. Es regnete die ersten zwei Tage durchgehend und man hatte nicht wirklich das Gefühl, einen afrikanischen Sommer zu genießen. 
Da es schon ziemlich spät war bezogen wir unsere Zimmer. Meins war anfangs kleiner als gedacht, aber sobald ich mein Bett frisch bezogen und meine leeren Koffer auf dem Schrank deponiert hatte, war ich einfach glücklich einen so gemütlichen eigenen Raum für mich zu haben.  Der Korridor, in dem ich lebe ist wohl der beste, den ich bekommen konnte. Es leben rund 10 verschiedene Nationalitäten in den 11 Räumen, nur Sebastian und ich kommen aus dem selben Land. (Wales, Mosambik, Namibia, Bangladesh, South Afrika, Finnland, Swasiland...). Gerade eben hatten wir unser erstes Korridor-Meeting. Alle Secondyear-Nachbarn haben uns ihre Hilfe in Sachen Schule, Heimweh usw. angeboten und uns erklärt, welche Wettbewerbe zwischen den Korridoren uns erwarten. 
Nun zu meinem zweiten Tag hier at Waterford. Am Dienstag war der erste Town-Run, der normalerweise immer mittwochs stattfindet. In den Straßen der Hauptstadt versuchen einige Leute dir Sachen zu verkaufen oder dir einen Platz in ihrem Taxi anzubieten. Wir hatten leider nur etwa zwei Stunden Zeit, nicht genug um den Markt zu besuchen und durch alle Malls zu streifen. In dem westlichen Supermarkt hier bekommt man alles, was das Herz begehrt, das aber zu einem Preis der teilweise sogar über dem deutschen liegt, wenn man Markenware wie Coca Cola oder Pringles haben will. Viele lokale Erzeugnisse sind aber viel günstiger als in Europa und in den meisten Kleiderläden findet man nur sehr wenige Einheimische, die sich regelmäßiges Shoppen leisten können. 
Der Basketballtrainer sprach mich natürlich wegen meiner Größe an, als ich zum Klettern in die Halle kam (Klettern war nicht möglich - die längsten Kletterschuhe, die vorhanden waren, hatten Schuhgröße 44.) Ich trainierte also Basketball mit dem Waterfordteam und der Trainer verschonte keinen, da in einigen Wochen ein Turnier in Südafrika stattfindet. Er will, dass ich weitermache, wegen meiner Größe, aber ich denke, dass ich lieber verschiedene Sportarten ausprobiere, anstatt jeden Tag zwei Stunden hart Basketball zu trainieren. 
Freitag: Alle IB1s besuchten verschiedene Plätze in Swasiland, wie z.B das National Museum of Swaziland, in dem wir einiges über die Entwicklung des Swasifolkes und die Kolonialisierung durch die Engländer erfahren konnten. Danach ging es zu einem Ort, in dem viele Swasikünstler ihre Werke zum Verkauf anboten. Weltweit bekannt sind die, von dort kommenden, Swasicandles. Es folgte eine kurze Besichtigung des House on Fire, ein schön gestalteter Platz, der für Konzerte genutzt und von Schülern für Übernachtungen gebucht werden kann. Das leckerste Essen des ersten Jahres erwartete uns in einem Nationalpark. Einige Lehrer und Secondyears hatten ein Braai (afrikanischen Grill) für uns vorbereitet und es war superlecker. In dem Park konnten wir einige Zebras und Antilopen, sowie Affen besichtigen. Es war auf jeden Fall eine Tour, die uns einen kleinen Teil von Swasiland näher gebracht hat. Für Freitag Abend hatten unsere Secondyears eine Coffiebar organisiert, die überhaupt nichts mit Coffie zu tun hat. Es ist einfach ein Abend an dem alle IB-Schüler zu Discomusik tanzen bis sie völlig durchgeschwitzt sind und kaputt ins Bett fallen. Eine tolle Erfahrung.
So, und dann hatten wir am Samstag noch unsere IB-Challenge, die aus 10 verschiedenen Stationen bestand, die wir durchlaufen mussten, wie z.B ein Musikstück mit Trommeln und Gesang einproben, einen Berg in einer bestimmten Zeit besteigen, eine Legolandschaft nachbauen. Blind. Die anderen Gruppenmitglieder durften mich nur mit Worten leiten. Am Samstag Abend hatten wir ein IB-Quiz, das meine Gruppe souverän gewann. Den Sonntag Vormittag wurde von mir zum Vernichten meiner Müdigkeit, verursacht durch Schlafmangel, genutzt, und ich nahm mir vor, die traditionelle Kirche hier ein andermal zu besuchen. 
Die Kultur Swasilands wurde uns abends von den lokalen Schülern durch Tänze, Gesang und eine kurze Präsentation gezeigt und wir durften in Continentalgroups  einen Teil dieser Welt kreativ präsentieren. Ich hatte Eastern Europe und wir tanzten einen Sirtaki, den wir mit einer griechischen Schülerin vorbereitet hatten.
Montag: Heute war die ganze Schule, aufgeteilt in kleine Gruppen, samt Lehrern mit Communityservices in Swasiland beschäftig. Diese sozialen Arbeiten spielen auf jedem UWC eine große Rolle und müssen von jedem Schüler belegt werden.

Meine Gruppe wurden mitten in ein Naturschutzgebiet gefahren, das einem Urwald glich. Mitten in diesem Gebiet stehen einige Gebäude, die von Schulklassen, die biologische Forschung in dem Gebiet betreiben wollen, gebucht werden können. Unsere Aufgabe bestand darin, mit Macheten, wie Indianer Jones, einen Pfad von wuchernden Sträuchern und Bäumen zu befreien, wobei wir darauf achten mussten einige Bäume, die nur selten zu finden sind, stehen zu lassen und einige giftige Pflanzen nicht ohne Handschuhe zu berühren. Keine der angekündigten Giftschlangen kreuzte unseren Weg, sodass wir eine anstrengende aber gute Zeit dort hatten. Bilder werden bald auf meinem Blog zu finden sein. 
Wie ihr sehen könnt, war das Programm der ersten Woche wirklich überwältigend und lies kaum Raum für Heimweh oder ähnliche Sorgen.
Über die Schule, die schon am Dienstag begonnen hat, werde ich in den nächsten Wochen berichten. 
Wenn ihr irgendwelche Fragen habt, oder lieber eine kürzere Zusammenfassung der Ereignisse wünscht ---> Kommentare

Euer Juli

Donnerstag, 19. Januar 2012

Gigantic Bird

Eigentlich bin ich nicht dafür, den allerersten Blogeintrag mit Schleichwerbung zu beginnen, aber Emirates ist super, das muss einfach gesagt sein. Gut gesättigt, nach einem Hühnchencurry mit Reis und Bohnen (um mich schon mal auf die alltägliche Kost am College einzustellen) und einem „chocolate brownie with a cherry filling and a rich chocolate sauce“ (so außergewöhnlich wie es klang war‘s dann doch nicht) werden mir nun alle zehn Minuten Getränke angeboten. Jeder hat seinen eigenen Bildschirm mit Unmengen an Filmen und Serien und auf der Toilette kannst du deine gewaschenen Hände mit Rosmarienduft besprühen. 
Ich sitze im größten Passagierflugzeug der Welt, dem Airbus A380, und bin auf dem Weg zu meinem bisher größten Abenteuer. Sobald man durch das Fenster schaut, sieht man unzählige Lichter der bewohnten Gebiete. Vorne rechts taucht ein riesiges Lichtermeer auf . Bagdad. Auf seinem Bildschirm kann jeder Passagier die Flugroute verfolgen. 
Die übrige halbe Stunde Flug bis Dubai werde ich euch erzählen wie alles begann... (you can skip this section if you are a close friend or family member) 
Schon vor drei Jahren hatte ich den Wunsch für längere Zeit ins Ausland zu gehen. Ich bewarb mich für das Parlamentarische-Patenschafts-Programm (PPP) des Bundestages, das mir fast ein Highschooljahr in den USA ermöglicht hätte. In der Endauswahl wurde ich jedoch nur Nachrücker und der Traum war geplatzt. Auch im Folgejahr wurde meine PPP-Bewerbung in der Endauswahl abgelehnt, eine Chance, meinen Wunsch zu erfüllen aber blieb mir noch. Über einen Zeitungsartikel hatte ich von einer Organisation erfahren, die jedes Jahr Jugendträume wahr werden lässt. Den United World Colleges. Nach meiner schriftlichen Bewerbung, in der Soziales Engagement, meine Interessen und meine schulischen Leistungen geprüft wurden bekam ich eine Einladung zum UWC-Auswahlwochenende nahe Frankfurt. Schon diese drei Tage zusammen mit ca. 70 anderen UWC-Bewerbern lassen erahnen, was für eine vorurteilsfreie Atmosphäre auf den Colleges herrscht, die dir Raum gibt einfach du selbst zu sein. Raum den es auf den meisten deutschen Schulen und überhaupt in unserer Gesellschaft kaum noch gibt. Von der Konkurrenz zwischen den Bewerbern war nie etwas zu spüren und es bildeten sich einige Freundschaften. Für alle zukünftigen UWCler: Man kann sich nicht wirklich auf die Aufgaben vorbereiten, die einen erwarten. Sei du selbst! Der Satz, den ihr wohl am häufigsten von Alumnis oder derzeitigen UWClern hört, sollte während des gesamten Wochenendes in eurem Hinterkopf sein. 
So wir landen in Kürze, ich werde diesen Eintrag bald fortsetzen.
Nachdem ich auf dem Dubai Airport zwei Stunden zwischen den Regalen der Dutyfreeshops herumgestreift bin, um noch letzte Einkäufe für die Zeit am College zu machen (von duty free ist nicht viel zu spüren), habe ich nun endlich einen schönen Liegesitz ergattert auf dem ich die nächsten zwei Stunden verbringen werde. 
Wir waren beim Auswahlwochenende stehen geblieben. Einige Tage nach diesem wirklich wunderbaren Wochenende bekam ich einen dicken Brief nach Hause mit der Nachricht, das ich die nächsten zwei Jahre auf dem United World College in Mostar (Bosnien-Herzegowina) verbringen darf. Ich wäre mit jedem College zufrieden gewesen und Mostar war auch unter meinen Favoriten, also habe ich mich wahnsinnig gefreut. Jacob, ein anderer Bewerber hatte einen Platz in Swasiland, wollte aber unbedingt tauschen, da er bei Collegbeginn (heute) ein halbes Jahr vor seinem deutschen Abi gestanden hätte, also praktisch eineinhalb Jahre Schule draufgelegt hätte. Nach längerem Überlegen und etlichen Pro- und Contralisten, entschied ich mich dafür, mit ihm zu tauschen. Ob ich es ein bisschen bereue, was ich aber bezweifle, weiß ich erst in einigen Wochen. Das letzte halbe Jahr bin ich noch in meine deutsche Schule gegangen, was ich nicht gemusst hätte. Ein Praktikum oder ähnliches wäre auch möglich gewesen. 
In zehn Stunden werde ich einen Teil meiner neuen Mitschüler in Johannesburg zum ersten mal sehen. Klar, das die Anspannung steigt. Sechs Stunden dauert dann noch die Busfahrt zum College, wo ich heute Abend mein Einzelzimmer beziehen werde. Anders, als auf den anderen UWCs gibt es in Waterford nur wenige Mehrfachzimmer.
Das Programm für die neuen Schüler beginnt am Dienstag um 10:30 Uhr mit einem Townrun in die Swasihaupstadt Mbabane, die mit dem Auto ca. 20 Minuten vom College entfernt ist. An den Folgetagen warten viele Einführungen, Vorträge und Teambildende Maßnahmen auf uns, die teilweise auch von unseren Secondyears geleitet werden. Viel mehr gibt es bis jetzt nicht zu berichten. 
Ich werde versuchen spätestens nach der Orientationweek den nächsten Eintrag zu schreiben, 
Juli